Als Reizwäsche bezeichnet man verschiedene Kleidungsstücke, die dazu dienen, den Partner sexuell zu erregen. Das Repertoire an Reizwäsche ist vor allem für Frauen sehr ausgeprägt und geht über den Aspekt der reinen Funktion als Unterwäsche weit hinaus. Deshalb kann Reizwäsche nicht immer wie gewöhnliche Unterwäsche getragen werden. Korsetts etwa würden den Körper beim dauerhaften Tragen allzu sehr beengen. Oft ist Reizwüsche auch so geschnitten, dass sie sogar beim Geschlechtsverkehr getragen wird. Reizwäsche ist in ihrer Gestaltung oft auf Vorbilder aus dem französisch geprägten 19. Jahrhundert ausgerichtet, was auch den häufigen Ursprung einzelner Begriffe aus dem Französischen erklärt. Bedingt durch heutige Modeströmungen wird Reizwäsche häufig als Oberbekleidung und damit deutlich sichtbar getragen (z.B. Korsagen, Nylonstrümpfe). Aus diesem Grund ist die Einordnung von Kleidungsstücken als Reizwäsche heute sehr subjektiv.
Wenn man jemanden überraschen und verführen möchte eignet sich hierfür kein Kleidungsstück besser als Dessous, denn diese sind praktisch schon die Verführung an sich.
Reizwäsche ist zwielichtiger Ramsch, der an leichte Damen erinnert. So sah ich das zumindest immer. Und bekam prompt von meinem Freund zu Weihnachten Reizwäsche geschenkt, die jedoch eher aussah wie ein Kettenhemd aus Glitzersteinen. Reizvoll? Naja. Das Set bestand aus einem Mini-Dreieck für die Allerwerteste (angeblich ein Slip) und zwei Triangeln für die Brüste. Ich wurde sauer: Brauchte er jetzt schon einen Anturner? Als ob so ein Fetzen die Libido in Wallung bringen könnte! Später holte ich die Gerätschaften noch einmal mit spitzen Fingern hervor und probierte sie aus Neugier an. Meine Güte, sie verhüllten nichts: Scham und Brustwarzen waren kaum bedeckt, mein Busen, bei Gott nicht groß, schien im Verhältnis zum BH gigantisch. Das Zeug war saukalt, denn die Steine waren innen nicht mit Stoff überzogen. Unpraktisch und ungemütlich lautete mein vernichtendes Urteil. So was kann nur ein Mann anturnend finden.
Doch als ich den Spiegel schaute, war der Anblick, ja, betörend. Als hätte ich meine intimsten Stellen mit Diamanten geschmückt. Meine Haut schien in dem schmeichelnden Licht zu erstrahlen. Ich fühlte ich mich wie eine Sexgöttin! Und so vergaß ich in dieser Nacht und darüber hinaus meine Abneigung gegen Reizwäsche. Denn eins steht fest:
Auch wenn Männer sich an ihr aufgeilen, auch wenn sie unpraktisch ist und oft hauchdünn in sexy Dessous kann sich jede Frau absolut reizvoll fühlen!
Als ich letztens das Altpapier zum Müll brachte, fiel ein Kassenzettel heraus: Sexy Dessous stand darauf. Meine Freundin hatte sich Reizwüsche gekauft. Ein Männertraum. Ich war erregt. Gespannt wartete ich auf den Moment vollkommenen Liebesglücks. Am nächsten Tag war es soweit: Ob ich den Abend denn schon verplant hätte, fragte sie beiläufig. Plötzlich beschlichen mich Zweifel. Tut sie das, weil sie sich unattraktiv fühlt? Unbegehrt? Oder noch schlimmer: Bring ich's nicht mehr? Ich stellte sie mir vor, im gedimmten Schlafzimmerlicht. Mit wattierten Plüschhasenohren auf dem Kopf, eins davon frivol nach vorne abgeknickt. Ihr blanker Busen von einem knappen Geflecht aus Kunstperlen gehalten. Zur Schau gestellt wie Äpfel auf dem Markt. Sie trägt nur eine Ahnung von einem Höschen. Glänzendes Mintgrün, umrahmt von schwarzen Bommeln. Mit einem Schlitz an der gewissen Stelle. Ein Spardosenschlitz für den Notgroschen. Und auf dem Bett: Ich. Nur noch mit Tricks auf Touren zu bringen. Vielleicht sollten sich manche Männerträume doch nicht erfüllen. Als sie abends das Schlafzimmer betrat, trug sie einen Bademantel und die Haare offen. Ich habe mir Reizwäsche gekauft, sagte sie verschämt. Und ich habe sie an. Lass mal sehen, sagte ich dann doch neugierig und leicht erregt. Ein Arrangement aus weißer Spitze und Tüll mit Strapsen kam zum Vorschein. Heiliger, war das scharf. Schärfer, als ich es mir je vorgestellt habe - ganz ohne Bommel, Plüsch und Schlitz. Nur dezente weiße Spitze, sehr sexy. Seit diesem Anblick träume ich noch häufiger von Reizwäsche als vorher.